Anne Priefer

"Liebe Astrid,
vom Mauerfall habe ich im Fernsehen erfahren, ziemlich spät abends, habe dann Veronica geweckt und bin sofort mit dem Auto Richtung Potsdamer Platz gefahren, stand erstmal im Stau...hab noch ein Knöllchen bekommen, weil auf einer Kreuzung nichts mehr ging und ich mit einigen anderen Autos die Kreuzung blockiert habe und dann bin ich mit Veronica die Mauer rauf und runter gelaufen und am Pariser Platz sind wir durch die erste Öffnung geschlüpft und einfach im Ostteil rumgelaufen, voller Übermut und Freude und Überraschung. Leute kamen und gingen, alle waren voll Freude und haben sich umarmt, toll.
Am nächsten Tag stand ein Verwandter von Hannes vor meiner Tür, der noch nie im

Westen war und hat meine sämtlichen Essensvorraäe aufgefuttert!
Danach sind wir JEDEN TAG mit dem Auto Richtung Teltow gefahren, immer ein Stückchen weiter und haben uns kindisch gefreut, dass das nun einfach so geht.
Anfangs standen noch Soldaten an der Grenze, hat uns gar nicht gestört. Da es keine passenden Landkarten gab, haben wir uns immer verfahren und dadurch viel kennengelernt.
Und Silvester sind wir über die Glienicker Brücke gehopst, haben laut gesungen.... Wir fahrn nach Potsdam, nach Werder, nach Ferch...von Claire Waldorff, bis ins Hollaenderviertel.
Unsere erste weitere Fahrt war nach Wittenberg.
War ne tolle Zeit."...

Eingesandt von Astrid Cantu, Zehlendorf, die ihre Freundin Anne Priefer, z.Zt. in Chile wohnend, nach ihren Erinnerungen gefragt hat.
Frau Cantu schreibt dazu: "Eine Freundin, die als Ärztin im "Steglitzer Kreisel" mit mir zusammen arbeitete, ist gerade auf "Weltreise", seit Anfang November 08 und z.Zt. in Chile.

Ich fragte per mail auch sie -Anne Priefer - an, da sie eine Tochter (Veronica) hat, die zum Mauerfall 6 Jahre alt war.
Anne Priefer war alleinerziehende Mutter und lebt(e) in Lichterfelde. Sie machte sich sofort mit Veronica auf, als die Mauer fiel."