Gabi Schubert

Von meiner Freundin Gabi, 54 Jahre alt, damals 2 kleine Söhne, Domenik und Frederik:

"- Immerhin war Frederik erst ein Dreivierteljahr alt und Dole (Domenik) wurde gerade
fünf. Ich weiß nur, dass ich an dem Tag, an dem die ersten Kundgebungen
anstanden, mit beiden zur Gedächtniskirche fuhr, weil da die SPD ihre
Veranstaltung meines Wissens haben sollte. War aber ein Irrtum, die CDU
sprach dort. Es war ein Riesengewimmel von Menschen. Alle waren fröhlich, im
Tchiboladen auf der Seite, wo das Schuhgeschäft und Hugendubel sind, haben
sich die Leute kostenlosen Kaffee "to go" geholt, und das Wort, das man auch
dort am häufigsten hörte war "Wahnsinn". Dominik stand vor mir und wurde
von einem Obdachlosen in ein Gespräch verwickelt. Mehr kann ich zu diesem
Tag gar nicht sagen.
Einen anderen Abend fuhr ich mal alleine zum Ku-Damm, um wenigstens ein
wenig von der euphorischen Stimmung mitzubekommen. Es war auch
überwältigend- diese Massen und diese Freude. Lernte dort in einem Bistro im
Europacenter netten Mann kennen, der mich zu wer weiß was einlud.
Die Stimmung war eben sehr offen. Man hatte keine Scheu, Hinz und Kunz
anzusprechen und alle waren fröhlich und offen für Gespräche. Es war ein
sehr netter Abend.
Gabi Schubert

Mehr Geschichten habe ich zu dieser Zeit leider nicht zu bieten."

-eingesandt von Astrid Cantu, Berlin