Günther Schicke

D: „Wie haben Sie die Tage um die Öffnung der Mauer zwischen Düppel und Zehlendorf in Erinnerung?“

G. Schicke: „Ich arbeitete damals für den Bauhof (Baubrigade) Kleinmachnow. Am 7. Dezember 1989 erhielten wir den Auftrag, nach Mittenwalde zu fahren und von dort Holzbungalows abzuholen, die für die Grenzwächter am zukünftigen Grenzübergang Düppel (Kleinmachnow) und Zehlendorf vorgesehen waren.

Danach begannen wir mit den Arbeiten im Grenzgebiet, das hieß: die Hinterlandmauer zu Kleinmachnow entfernen, die an dieser Stelle ein Streckmetallzaun war – der übrigens erst ganz kurze Zeit vorher erneuert worden war - , die elektrischen Leitungen, die Beleuchtungsanlagen entfernen, die zum Teil tief eingebauten Panzersperren aus dem Bereich entfernen, da dort ja eine Straße asphaltiert werden sollte. Die Panzersperren waren tief in der Erde, mit Beton ausgegossen. Die zu entfernen, kostete sehr viel Zeit.

Danach wurde der Boden weggeschoben und weggefahren und andere Fahrzeuge brachten Schlacke heran, um einen festen Unterbelag für die Straße zu haben, die als Grenzübergang asphaltiert werden sollte.

Aber auch mit der Technik gab es Schwierigkeiten. Der Kran der Armee, der die L-Stützen entfernen sollte, schaffte es zunächst nicht. Er fand nur sehr schwer Ansatzpunkte; Technik von „Baurep Teltow“ sollte helfen.

Wir waren dafür schon gut zwei Tage im Einsatz, von früh morgens bis zum Dunkelwerden.

Zwischendurch hat die Parteischule Kleinmachnow für Verpflegung gesorgt und auch Passanten haben Kaffee gebracht.

Am dritten Tag, dem 9.12.1989, konnte der Boden neu geschoben, die neue Beleuchtung und die Holzbungalows für die Grenzwärter aufgestellt werden.

Die Leute standen zu beiden Seiten und konnten es kaum abwarten. Ich glaube, es hat auch noch eine Berliner Baufirma geholfen, besonders bei der Asphaltierung. Dann gab’s kein Halten mehr und die Leute gingen noch über den warmen Asphalt rüber.“

D: „Herr Schicke, vielen Dank. Haben Sie eigentlich auch diese drei Tage fotografiert?“

G. Schicke: „Nein, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Man hat von morgens früh bis in die Dunkelheit gearbeitet. Und außerdem war das Fotografieren im Grenzgebiet ja verboten, das war so drin, dass man gar nicht auf die Idee gekommen ist, dass das jetzt anders ist, dass man ja fotografieren könnte.“





Günther Schicke, jetzt wohnhaft in Teltow.
Das Gespräch mit H. Schicke führte Ch. Dunkel, Oktober 2009



Oktober 2009