Peter Dörrie

Ein Wunder – anders ist es nicht zu beschreiben. Ein Wunder, dass am 9. November 1989 und bei den Großdemonstrationen gegen das SED-Regime in Plauen, Dresden und Leipzig im Oktober kein Tropfen Blut geflossen ist, dass die Soldaten der NVA in ihren Kasernen blieben und die Soldaten der russischen Streitmacht (von denen immerhin 365.000 in der DDR stationiert waren) keinen Marschbefehl erhielten. Dass keine Panzer rollten und dass keiner von den Verantwortlichen an den Grenzübergängen am 9. November die Nerven verlor... Ein Glück, dass mit Gorbatschow in dieser Zeit ein Kremlführer mit Weitblick (und Verstand) regierte.
Und immer noch bekomme ich beim Betrachten der Bilder von den Ereignissen, die nun 20 Jahre zurückliegen, eine Gänsehaut. Und bin zutiefst dankbar, dass sie so glimpflich verlaufen ist: Die erste friedliche Revolution der Deutschen, die erfolgreich war. Daran sollte man sich stets erinnern, nicht nur in diesen Tagen.
Ein Detail der deutsch-deutschen Geschichte: Die Frage nach dem Inkrafttreten der Reisefreiheit, auf die Schabowski stammelnd antwortete, war bestellt. Stichwortgeber war ein italienischer Journalist, der vorher von einem hohen SED-Funtionär „gebrieft“ worden war. Eigentlich sollte das Reisegesetz zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft treten. So aber trat Schabowski mit seinem „Sofort, unverzüglich...“ eine Lawine los, die nicht mehr aufzuhalten war und letztendlich das Ende der DDR bedeutete.

Peter Dörrie