Susanne Garavy

Ich im Auto mit 2 Kindern (6 und 3) Richtung Grenze, anhalten,
Herzklopfen, nie in Ost-Berlin gewesen. Unfreundliche Passkontrolle,
Umtausch (Ca. 30 Ostmark), weiter ins unbekannte Land. Irgendwo
geparkt, Kinder an meiner Seite, Ziel Alexanderplatz, aus alten
Filmen und dem berühmten Buch vertraut. Nix zu finden.
Ich frage einen vorbeigehenden Herrn, wo der A'platz sei, der sieht mich
zweifelnd an und meint: 'Sie stehen genau drauf!'. Peinlich!
Platz ist als solcher nicht zu erkennen, als Alexanderplatz schon gar nicht!

Wir gehen in ein Café, trinken was, es kostet lächerlich wenig.
Weiter in einen Supermarkt, riesig, Regale mit wenig Auswahl, davon
aber viel. Durch die ganze Länge stehen Tiefkühltruhen, komplett
verrostet, innen und aussen, alle mit dem gleichen abgepackten
Fleisch befüllt, mehr Fett als Fleisch.
Dann in eine Markthalle, Holz, Pappe, Buden. Ein Mann stellt einen
Tisch und einen Stuhl auf, sofort bildet sich eine riesige Schlange.
Ich frage nach, warum man sich anstellt. Eine Frau in der Schlange
gibt Auskunft: sie wisse es nicht. Wenig später erscheint ein Mann
mit mehreren Kisten Dosenpfirsichen.
Um das zwangsumgetauschte 'Geld' loszuwerden, bekommen die Kinder
einen Hammer und ein Vorhängeschloss.